Instagram und die Herausforderung des Informationsüberflusses
Instagram hat sich in Deutschland als führende Social-Media-Plattform etabliert. Laut der aktuellen Medienstudie der ARD und dem ZDF nutzen 40 Prozent der befragten Über-14-Jährigen Instagram mindestens wöchentlich. Laut dem Transparenzreport des US-Konzerns Meta nutzen bis zu 48 Millionen Menschen in Deutschland wöchentlich mindestens einen Account auf der Plattform. Dieser hohe Nutzerzuwachs führt dazu, dass der Feed oft mit unstrukturierten und kommerziell motivierten Inhalten gefüllt wird.
Der Algorithmus von Instagram ist darauf ausgerichtet, Interaktionen zu fördern — was bedeutet, dass man oft ungefährliche oder sogar abschreckende Inhalte sieht. Doch durch gezieltes Handeln, das auch das Training des Algorithmus beinhaltet, kann man einen maßgeschneiderten und übersichtlicheren Feed gestalten.
Drei Tipps für einen effektiven Instagram-Feed
Aktives Algorithmustraining
Eine der effizientesten Methoden, den Instagram-Algorithmus zu optimieren, ist das aktive Trainieren. Diese Funktion wird oft unterschätzt, ist aber äußerst mächtig. Wenn du Posts von nicht-abonnierten Accounts findest, die dir zupasskommen, markiere sie mit „Interessiert mich“. Ebenso solltest du Beiträge, die du als uninteressant oder sogar ablehnest, durch die Funktion „Interessiert mich nicht“ filtern.
Instagram erfasst solche Entscheidungen und baut sie in die Empfehlungen ein. Dies ermöglicht dir, deinen Feed so zu trainieren, dass er Inhalte zeigt, die zu deinen Interessen passen. Eine Vorsicht bei dieser Methode besteht darin, dass Metas Datenschutz-Tracking-Pixel die Entscheidungen auf andere Plattformen übertragen können. Das könnte dir in anderen Kontexten voreilig relevante Werbung und Inhalte zeigen.
Favoriten-Funktion für einen personalisierten Feed
Jenseits des von Instagram selbst kuratierten „Für dich“-Feeds und deiner Timeline, in der ausschließlich abonnierte Accounts ihre Inhalte zeigen, steht dir die Funktion „Favoriten“ zur Verfügung. Diese ermöglicht dir, bis zu 50 Accounts zu spezifizieren, deren Beiträge du auf chronologischer, nicht algorithmisch geordneter Weise direkt im Feed erhältst.
Du findest diese Option in der „Für dich“-Sektion. Um Accounts hinzuzufügen, öffne die Liste, tippe auf „Favoriten hinzufügen“ und wähle die Profile aus, die dir am relevantesten sind. Dies ist eine effektive Methode, unerwünschten Content zu reduzieren und sich den Feed so zusammenzustellen, wie man es möchte.
Pflege deiner Follow-Liste
Ein weiterer entscheidender Schritt besteht in der Überprüfung deiner Follow-Liste. Es lohnt sich, regelmäßig zu schauen, wem man folgt und ob man sich immer noch mit deren Inhalten identifizieren kann. Viele Accounts, die du abonniert hast, können sich im Laufe der Zeit verändert haben oder nicht mehr deinen Interessen entsprechen.
Um eine bessere Übersicht zu erhalten, wechsle in deiner Timeline in der App in den Bereich „Gefolgt“. Dort findest du zwei Sortieroptionen: „Älteste zuerst“ zeigt dir Accounts an, für die du schon länger verantwortlich bist, und „Wenigste Interaktionen“ listet die Profile auf, mit denen dir am seltensten Interaktionen widerfahren sind. Diese Kriterien helfen dir, Accounts zu erkennen, die du eventuell nicht mehr benötigst.
Vor dem Entfolgen lohnt es sich, noch vorhandene Likes oder Kommentare zu entfernen. Dadurch verursachst du keine „Zugriffe“ in deinem Feed, die den Algorithmus verweisen könnten.
Warum man Instagram bewusst behandelt
Instagram ist darauf angelegt, Nutzende zu Bindungen an die Plattform zu animieren, sei es durch emotionale Impulse oder durch Anreize — wie den Fokus auf Likes und Kommentare. Doch durch bewusste Handlungen, wie sie in diesem Beitrag beschrieben sind, kann man dieses System durchschauen und sich von deren Wirkung befreien.
Durch die Kombination aus Algorithmustraining, Favoriten-Liste und Follow-Überwachung kannst du dir einen Feed gestalten, der nicht nur persönlicher und strukturierter ist, sondern dich auch weniger überfordernd erscheint. Du behältst so die Kontrolle über die Informationen, die dir zugespielt werden.
Weitere Tipps: Dein Profil aufräumen
Deine Interaktionen analysieren
Besonders nützlich ist die Kontrolle über deine „Gefällt mir“-Beiträge und Kommentare. Rufe über das Profil und das Hamburger-Menü den Bereich „Deine Aktivitäten“ auf. Wähle danach beispielsweise „Gefällt mir“ an und schaue, welche Beiträge du verliebt hast. Lese die Postings erneut, überprüfe, ob sie für dich noch relevant sind.
Dies kann eine mühsame, aber lohnenswerte Angelegenheit sein. Durch das Löschen von unpassenden oder altmodischen „Gefällt mir“-Angaben verändert sich das Bild, das Instagram von dir hat, und somit auch der Inhalt, dem du im Feed ausgesetzt wirst.
Beschränke die Frequenz deines Scrollens
Obwohl es keine direkte „Anti-Algorithmus“-Schaltung gibt, kann man die Effekte des Feeds deutlich verringern, indem man aufhört, zu häufig zu scrollen. So wirst du nicht immer wieder neue, von Instagram vorsortierte Inhalte konsumieren und den Algorithmus weiter antrainieren. Nutze bewusst Zeitpunkte für deine Nutzung.
Dein Instagram-Feed im Griff
Von einem professionellen Standpunkt betrachtet, ist Instagram weniger als eine soziale Verbindungsmaschine denn ein Werkzeug, das durch algorithmische Manipulationen und psychologische Techniken eine möglichst hohes Engagement herbeiführt. Es ist also notwendig, sich bewusst und vorsichtig mit der Plattform auseinanderzusetzen.
Der Vorteil, deinen Feed gezielt zu optimieren, ist die Kontrolle über die Beziehung, die zwischen dir und Instagram besteht. Mit den vorstehenden Maßnahmen kannst du dir einen Feed zusammenstellen, der nur noch das enthält, was du willst — und nicht, was der Algorithmus dir andient.