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Digitaler Euro: Datenschützer fordern echtes digitales Bargeld statt Überwachung
13 Mag 2026
Fonte: heise online
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Die europäische Finanzlandschaft steht vor einer Zäsur: Die Europäische Zentralbank (EZB)
arbeitet an einer digitalen Antwort auf das schwindende Bargeld
, wofür das EU-Parlament gerade
einen rechtlichen Rahmen absteckt
. Doch der Erfolg des digitalen Euro hängt an einem seidenen Faden: dem Vertrauen der Bürger in ihre Privatsphäre. In einer gemeinsamen Stellungnahme mahnen die französische und die deutsche Datenschutzbehörde, die CNIL und die BfDI, dass das digitale Zahlungsmittel nur dann eine Chance habe, wenn es die Anonymität von Münzen und Scheinen technisch abbilde.
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Aktuell wird der europäische Zahlungsverkehr von einer Handvoll außereuropäischer Konzerne kontrolliert. Über 60 Prozent der Kartenzahlungen in der Eurozone wurden zuletzt von nur zwei US-Anbietern abgewickelt. Visa und Mastercard sitzen so auf einem Schatz aus Transaktionsdaten, die sie umfangreich für kommerzielle Zwecke auswerten können. Der digitale Euro soll hier ein souveränes Gegengewicht bilden: Ein öffentliches Gut, das nicht auf Profitmaximierung, sondern auf den Werten der EU basiert.
Für
CNIL und BfDI steht fest
: Der digitale Euro muss den Status quo verbessern, nicht nur eine weitere digitale Spur hinterlassen. In ihrem Papier fordern die Datenschützer
Privacy by Design
, wobei die Privatsphäre direkt in der technischen Architektur verankert wird. Prinzipiell
verlangte der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA)
schon 2021, dass über den digitalen Euro Nutzertransaktionen nicht im gesamten Zahlungssystem verfolgbar sein dürften.
Offline-Modus als Kern von Anonymität
Laut den Datenschützern sind derzeit zwei Varianten vorgesehen. Der „Online-Modus“ ähnelt klassischen E-Geld-Systemen, bei denen Zahlungsdienstleister die Konten verwalten. Hier fordern die Behörden eine strikte gesetzliche Pflicht zur Pseudonymisierung. Die Zentralbanken betreiben zwar die Infrastruktur, dürften aber niemals die Identität der zahlenden Personen sehen. Um eine spätere De-Pseudonymisierung durch Datenabgleiche zu verhindern, schlagen CNIL und BfDI die Nutzung dynamischer Identifikatoren vor, die sich regelmäßig erneuern.
Das innovativste Element des Projekts ist der „Offline-Modus“. Dabei handelt es sich um eine Form von digitalem Geld, das lokal auf einem Smartphone oder einer Karte gespeichert wird und ohne Netzverbindung von Gerät zu Gerät fließen kann. Die Datenschützer unterstützen diesen Ansatz, der auf einer Token-Architektur basiert. Dabei entstehen strukturell keine Zahlungshistorien bei zentralen Stellen: die Transaktion bleibt so privat wie der Tausch eines 10-Euro-Scheins auf dem Flohmarkt.
Expertenberichte bestätigen, dass eine solche Lösung technisch machbar sei und gleichzeitig Risiken wie das mehrfache Ausgeben derselben digitalen Einheit (Double Spending) minimiere. Dieser Modus wäre vor allem für Zahlungen im Nahbereich unterhalb bestimmter Obergrenzen gedacht und stellt das eigentliche „digitale Bargeld“ dar.
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Haltegrenzen
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Ein weiterer Eckpfeiler der europäischen Strategie ist die Nicht-Programmierbarkeit. Im Gegensatz zu digitalen Währungen in anderen Regionen wie dem digitalen Yuan soll der digitale Euro nicht an Bedingungen geknüpft werden können. Es wird keine Verfallsdaten oder Einschränkungen auf bestimmte Warengruppen geben. Damit bleibt er ein neutrales gesetzliches Zahlungsmittel, das den Status der öffentlichen Währung auch im digitalen Raum sichert.
Um die Stabilität des Bankensystems nicht zu gefährden, werden für das Halten digitaler Euros Obergrenzen diskutiert. Die EZB prüft derzeit Limits zwischen 500 und 3000 Euro. Aus Sicht der Datenschützer sind diese Grenzen praxisnah festzulegen: Es müssten Alltagstransaktionen in einer Höhe möglich sein, die mit heutigen Obergrenzen vergleichbar sind. Einige EU-Länder haben das Limit hier bereits bei 1000 Euro gesetzt.
Der EZB-Zeitplan sieht vor, ab Anfang 2027 technische Beta-Versionen der Architektur unter realen Bedingungen zu testen. Läuft alles nach Plan, könnten die Bürger der Eurozone ab 2029 mit dem digitalen Euro bezahlen. Ob sie ihre digitale Geldbörse dann wirklich zücken, wird auch davon abhängen, ob die EZB den Empfehlungen von Daten- und Verbraucherschützern folgt. Demnach soll sie ein Bezahlsystem schaffen, das die Freiheit des Bargelds in die digitale Welt überträgt.
(
wpl
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